Ines Dänzer

Raumausstattermeisterin aus Leidenschaft

polstern

Polstern – Die Entwicklung vom Holzbrett zum Sofa

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Was bedeutet polstern eigentlich?

Der Ausdruck Polster bezeichnet jede Art von überzogener Bestuhlung. Von der einfachsten Art einen Stoff über eine harte Fläche wie z.B. ein Holzbrett zu spannen bis hin zum gefederten und kunstvoll gepolsterten Sofa. Die Polstermöbel können vom Holzgestell von Grund auf neu gepolstert werden aber auch alte Stücke können restauriert werden. Der Arbeitsaufwand des Restaurierens hängt von der Beschaffenheit des Möbelstückes ab. Er nimmt vom einfachen, gepolsterten Sitz bis hin zum großen Sofa mit gerundeten Armlehnen und eingehefteten Knöpfen zu. Polstern ist keine Schnell-Schnell-Sache.

 

Polstern ist kein oberflächlicher Zeitvertreib, es ist harte Arbeit.

 

Mit der Erfindung der Spiralfeder 1828 entstand das Polstern im heutigen Sinne. Vorher wurden das Aussehen und die Zweckdienlichkeit eines Möbels von der Form, Gestaltung und Verzierung des Holzes bestimmt.

Wenn man sich im Mittelalter einmal setzte, dann auf ein niedriges Holz- oder Steingesims entlang einer Wand, welches allerhöchstens mit Fell oder Teppich bedeckt war. Der Vorteil dieser Art von Sitzmöbel war, dass man von hinten nicht angegriffen werden konnte und dass der Haushalt bei drohender Gefahr verlegt werden konnte, da keine schweren Möbel transportiert werden mussten. Nur bequem war anders.

 

Die erste Sitzbank…

…entwickelte sich aus freistehenden Möbeln die bankartig konstruiert waren. Jedoch wurde der dreibeinige Hocker zu der am meisten genutzten Sitzgelegenheit. Er stand stabiler als auf vier Beinen. Seine Sitzfläche bestand meist aus einem Stück Leder welches einfach nur eingehängt wurde und deutlich bequemer war als ein simples Holzbrett. In späteren Zeiten entwickelte man für wichtige Gäste einen anspruchsvolleren Sitz mit Arm- und Rückenlehne. Bis zum 15. Jahrhundert jedoch blieb er eine Seltenheit. Mit dem Erschaffen der X-Konstruktion konnten Stühle zusammengefaltet und getragen werden. Diese Konstruktion überlebte ihre ursprüngliche Funktion und findet sich dann an schweren und reich verzierten Stühlen wieder, die aber immer noch gerade waren. Das erste Zugeständnis war eine leichte Neigung der Rückenlehne, die sich der menschlichen Körperform anpasste.

polstern

Kissen aus Rosshaar, Fell und Moss waren die ersten Versuche Sitzmöbel zu polstern. Direkt am Rahmen befestigte Polsterungen fand man erst ab Ende des 16. Jahrhunderts. Arm- und Rückenlehnen folgten erst später.

Das Verlangen nach bequemeren und aufwendigen Sitzmöbeln stieg. Die Sitzflächen und Rückenlehnen wurden mit Wolle, Haar oder Stoff gepolstert und mit kostbaren Stoffen wie Samt oder Brokat überzogen. Natürlich durften die reichlichen Verzierungen nicht fehlen. Das kleine Sofa von 1700 war früher mal die Sitzbank und das neu kreierte Ruhebett, eine Art verlängerter Sitz ohne Rückenlehne und mit einem festen oder verstellbaren Kopfende, wurde immer beliebter.

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Das Möbeldesign…

…des 18. Jahrhunderts wurde von Schönheit und Funktionalität bestimmt. Es wurden Stühle entwickelt, die sich zum Lesen, Teetrinken, Kartenspielen und Plaudern eigneten. Völlige Entspannung gewährte trotzdem kein Stuhl. Der Rahmen war immer noch von größter Wichtigkeit, an ihm und nicht am Polster wurde die Mode des 18. Jahrhunderts ausgeführt:

Verschnörkeltes Rokoko, bizarre Chinoiserie, zurückhaltender Neo-Klassizismus und zarter Sheraton.

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es in Mode, sich auf allerlei Sofas, Chaiselongues oder Ottomanen ohne Rücken- und Armlehnen zu rekeln. Vorher legten sich lediglich Alte und kranke Menschen tatsächlich auf ein Sofa.

Die Struktur des Polsterns hingegen unterlag dem Wechsel der Mode nicht. Sie blieb weiterhin ein Übereinanderschichten von Wolle oder Rosshaar. Umwälzende Neuerungen brachte erst das Aufkommen der fast unbegrenzt elastischen Sprungfedern. Die Viktorianischen Möbel mit riesigen Ausmaßen, Federung an Sitz, Rücken- und Armlehnen und üppig gemusterten Bezugsstoffen, so hässlich sie aus heutiger Sicht auch sein mögen, trugen dazu bei, die Techniken des modernen Polsterns zu entwickeln.

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Leider sind die Fertigkeiten des traditionellen Polsterns der Massenproduktion zum Opfer gefallen. Schaumstoffe treten an die Stelle von Rosshaar, Wolle, etc. Aber auch in der heutigen Zeit lohnt es sich, Lieblingsstücke auf die alte Weise zu polstern. Es ist aus heutiger Sicht zwar die teurere und aufwendigere Variante, aber eben auch die, an der Sie deutliche länger Freude haben. Der Sitzkomfort ist auf Sprungfedern viel besser und das traditionelle Handwerk des Polsterns ist deutlich langlebiger als eine Lage Schaumstoff der mit Dyolenvlies und Stoff bezogen wurde.

 

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die klasse Beratung zu Liegeflächen und Polstersystemen dazu

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