Ines Dänzer

Raumausstattermeisterin aus Leidenschaft

Wand

Der Lebenslauf der Tapete

| 1 Kommentar

Ich möchte einen wirklich kurzen Überblick über die Historie der Tapete geben. Ich finde es sehr spannend zu wissen wie etwas entstanden ist und sich bis heute immer weiter entwickelt hat.
Als ich die Ausbildung zur Raumausstatterin begonnen habe, bekam ich von der Firma A.S. Création ein tolles Buch. “Das 1×1 der Tapete”. Ich schreibe wirklich gerne selbst aber die Geschichte der Tapete ist dort so toll und umfassend beschrieben, dass ich es nicht besser könnte 🙂

Tapete

Kurze Historie der Tapete

Wandbespannungen aus geprägtem, vergoldetem Leder und Behänge mit wertvollen Stoffen waren seit dem Mittelalter Attribute feudalistischer Selbstdarstellung.
Von den maurischen Besatzern nach Spanien gebracht, breitete sich das so genannte Spanischleder über weite Teile Europas aus. Im 14. Jh. organisierten sich die Goldledermacher in Gilden und norminierten die Herstellung durch strenge Zunftregeln: Als Träger dienten gegerbte Felle, die zunächst versilbert, gegen Oxidation versiegelt und dann mit einem ockerfarbenen Goldlackfirnis patiniert wurden. Anschließend wurde sie aufwendig punziert oder geprägt, aneinander genäht und in Form bespannter Holzrahmen an die Wand montiert.
Die ersten bedruckten Wandpapiere für bürgerliche Haushalte entstammen dem 14. Jh. Doch erst die Kombination von Papierherstellung und Druck hat eine Art Serienherstellung ermöglicht. In französischen und englischen Papier-Manufakturen entstanden als Vorläufer der Tapete die sogenannten Dominotiers. Sie wurden schon im 17 Jh. mit Modeln aus Holz  gedruckt und hatten Rapportmuster, die eine fortlaufende Flächengesaltung erlaubten. Die einzelnen Dominopapiere maßen damals nur etwa 45 x 35 cm und mussten mühsam aneinander gesetzt werden.
Gegen Ende des 17 Jh. kamen aus England erstmals raumhohe Tapetenbahnen und Rollen mit 12 Yards x 21 Inches (10,95 m x 0,56 m) auf den Markt. Sie bestanden aus zusammengeleimten, handgeschöpften Papierbahnen, was das Tapezieren erheblich vereinfachte.
Mit der Zeit entwickelten sich immer ausgeklügeltere Handdrucktechniken: Geprägt, vergoldet, handbemalt, mit Schablonen oder Holzmodeln bedruckt, mit Eisenglimmer oder Wollstaub bestäubt, entstand einen immer breitere Palette verschiedenster Dessins. Zum virtuosen Höhepunkt zählten zweifellos die so sogenannten Panoramatapeten. Fortlaufende landschaftliche Szenarien aus bis zu 32 Tapetenbahnen, die mit an die 3000 verschiedenen Holzmodeln bedruckt waren. Kriegsschauplätze, Stadtansichten, Landschaften nach Werken alter Meiter wirken auf den ersten Blick wie gemalt. Die schönsten erhaltenen Stücke sind noch heute im Kasseler Tapetenmuseum zu bewundern.
Um 1830 machte die Erfindung des Rundschöfsiebes die Herstellung von Endloschöpfapier möglich. Damit war der wichtigste Schritt zur industriellen Produktion der Tapete getan. Als entscheidende Neuerung wurde der Rotationsdruck eingeführt. Die anfangs noch Dampfbetriebenen Maschinen ermöglichten eine enorme Produktonssteigerung und günstigere Preise. Auf den riesigen Trommeln der Leimdruckmaschinen konnten bis zu 18 Farben gleichzeitig gedruckt werden. Die Druckwalzen aus massivem Holz wurden von Formstechern kunstvoll mit Metallstegen bestückt, größere Farbflächen mit Filz ausgefüllt.
Auf Dauer erwies sich diese kunsthandwerkliche Art der Walzenherstellung als unrationell, die Druckleistung als zu gering. Der Nacheinanderdruck einzelner Farben auf den “Schnell-Läufern” ist gleichmäßiger und zügiger. Die Tapete ist sauber, schnell und flexibler geworden – das Produkt Tapete noch besser und preiswerter.

Quelle: “Das 1×1 der Tapete” 2009 und “Tapeten” Deutsches Tapeteninstitut, Frankfurt 1994 und 2000

 

Soweit also die kurze Historie der Tapete. Nächste Woche gibts es noch ein bisschen mehr Details wie in welchen Epoche die Tapeten genau ausgesehen haben 🙂

 

Ein Kommentar

  1. Hi Ines,

    super wie du die Geschichte der Tapete darstellst. Es ist schon interessant zu lesen wie alt manche Techniken doch sind.
    Unsereins pappt die dinger halt an die Wand ohne gross nachzudenken was die Historie dahinter ist.
    Ich danke dir für diesen Beitrag.
    freue mich immer über deine Geschichten und dein fundiertes Wissen über Raumausstattung. Ich wünsche mir mehr solche Beiträge von dir.
    Gruss
    Gerd Zeller

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